Heimatnachmittag im vollbesetzten Pfarrheim
Für den traditionellen Heimatnachmittag im Januar hatten sich im Vorfeld über 50 Heimatfreunde angemeldet, so dass der Pfarrsaal von St. Josef Rodde voll besetzt war. Nach der Begrüßung durch das Vorstandsteam vom Heimatverein gab es Kaffee und Kuchen. Eine große Auswahl an Kuchen, Torten, Stuten und Schnittchen, alles gespendet von Mitgliedern des Heimatvereins, ließ keine Wünsche offen.
Für gute Unterhaltung sorgte Frau Margret Möller-Waltermann aus Altenrheine, auch als Stadtführerin in Rheine tätig. Sie hatte sich einige Gedanken zur Geschichte von Rodde, erstmals als Rotha im neunten Jahrhundert erwähnt, und zu seinen Bürgerinnen und Bürgern gemacht. Berühmtester Bürger Roddes ist der Barockbildhauer Meiering. Schon 1798 wurde eine Schule gegründet und etwa 100 Jahre später die Kirche, noch ohne Turm, geweiht. Mit Bahnhof, Schmied, Bäcker, Lebensmittelläden und Postamt gab es vielerlei Dinge für den täglichen Bedarf, sofern man sie nicht selber auf dem Bauernhof erzeugte, und man konnte stolz auf die kontinuierliche Entwicklung Roddes sein. Betroffen machte alle Zuhörerinnen und Zuhörer die Erinnerung an die 66 Männer, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren. Mit Pathos erzählte Frau Möller-Waltermann von ihren persönlichen Bezugspunkten zu Rodde. So kann man bei der häufig länger andauernden Wartezeit an der Bahnschranke in aller Ruhe die wunderschönen Buntglasfenster der Taufkapelle von St. Josef betrachten, die abends beleuchtet sind. Der anschließende Vortrag aus dem Büchlein „Badetag und Wundertüte“ von Jürgen Hübschen sorgte für einen Ausflug in Kindheit und Jugend zwischen 1950 und 1965, als bestimmte Süßigkeiten, einfache Spiele und ein wöchentliches, warmes Bad in der Zinkwanne besondere Freuden im Alltag waren. Nicht, dass früher alles besser war, aber man war bescheidener.
Passend zu dieser Epoche gab es einen Vortrag zur Entstehung der Siedlungsstraße „Im Diek“ in Rodde. Diese Präsentation hatte Archivar und Schriftführer Ralf Horstmann anlässlich des 75-jährigen Jubiläums bereits im letzten Jahr mit alten Fotografien und Unterlagen ausgearbeitet und bei der Bauerschaftsversammlung gezeigt. Nun konnte der Vortrag einer noch größeren Zuhörerschaft durch Friederike Eying vom Vorstandsteam präsentiert werden. 1950 zogen 18 Familien in die 9 Häuser ein und feierten dort das erste Weihnachtsfest. Möglich geworden war dies durch den Verkauf einer Fläche am Kanal vom Schmied Knüver an die Stadt Rheine und u.a. durch Kredite des amerikanischen Marschallplans, der kurz von Geschichtslehrer Peter Hawig erläutert wurde. Sehr konstruktiv wirkte der erste Rodder Gemeindebürgermeister August Göwert bei dem für damalige Verhältnisse großen Bauvorhaben mit. Es bestand auch damals eine große Nachfrage für bezahlbaren Wohnraum, so dass durch einen einfachen Grundriss in Verbindung mit viel Eigenleistung auf günstigen Erbpachtgrundstücken Wohnraum für neune hiesige Familien im Erdgeschoss und für neun ostvertriebene Familien zur Miete im Dachgeschoss entstand. Der große Nutzgarten sowie ein Schweine- und Hühnerstall für jedes Haus waren bei der Planung grundlegende Elemente. Siedlungshäuser wie jene „Im Diek“ entstanden überall in Deutschland. Später wollte man mehr Komfort – keine Wasserpumpe und kein Plumpsklo, so dass vieles umgebaut und vergrößert wurde. 1950 war die kleine Siedlungsstraße „Im Diek“ nur umgeben von wenigen alten Heuerhäusern und Höfen und sehr viel Land, wo im Laufe der Jahrzehnte die Rodder Neubaugebiete entstanden. Der schöne freie Blick zur alten Kirche von Rodde existiert somit nicht mehr. „Im Diek“ wuchs eine lebendige und nette Nachbarschaft mit vielen Familien heran und man feierte bis auf das Corona Jahr 2020 alle 5 Jahre ein fröhliches Nachbarschaftsfest, so auch im letzten Jahr das 75-jährige Jubiläum.
Nach diesem Exkurs in die Heimatgeschichte gab es Zeit sich auszutauschen und Frau Möller-Waltermann sorgte mit verschiedenen Geschichten und Witzen up Platt für heitere Stimmung.Wenn man mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen ist, kann man damit viel mehr an Stimmungen ausdrücken als mit dem allgemeingültigen Hochdeutsch. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten es mit einem anhaltenden Applaus für Frau Möller-Waltermann und der Heimatnachmittag zog sich noch bis zum frühen Abend hin.
Foto u. Text: Friederike Eying