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Radtour mit Besuch im Heimatmuseum Bevergern

06. Oktober 2026

Warum in die Ferne schweifen…

Zur Radtour zum Saisonabschluss steuerte der Heimatverein Rodde dieses Mal unseren Nachbarort Bevergern an. Es hatten sich 20 Heimatfreunde für den Samstagnachmittag angemeldet und Petrus meinte es gut mit allen, als man auf malerischen Feldwegen übers Fichtenvenn und Elte nach Bevergern radelte. Im Klosterhof gab es zunächst eine Stärkung mit Kaffee und Kuchen in der ehemaligen Ratsstube. Anschließend erwartete der 1. Vorsitzende des Heimatvereins Bevergern, Heinz Levedag die Gruppe am nahe gelegenen Heimathaus. Heinz Levedag hieß die Rodder Heimatfreunde herzlich willkommen. Durch die traditionelle Radtour der drei Heimatvereine Bevergern, Elte und Rodde jedes Jahr im Mai kennt man sich. Fast alle waren schon im Heimatmuseum in Bevergern gewesen, aber dort gibt es immer wieder neue Ausstellungsstücke durch Schenkungen und entsprechend viel Neues zu entdecken. Die Geschichte Bevergerns mit seiner Verbindung zum Kloster Gravenhorst und der Burg unter verschiedenen Herrschern bis hin zur Sprengung des Bauwerks ist sehr facettenreich und Heinz Levedag konnte wie ein wandelndes Lexikon Auskunft dazu geben. Immer wieder beeindruckend sind die verschieden gestalteten Räumlichkeiten der ehemaligen Ackerbürgerhäuser, in denen das Museum unterbracht ist: Biedermeierzimmer, Jugendstilzimmer, alte Deele, Keller, Schlafkammer und auch der große Raum für Versammlungen. Grundstein für das Heimatmuseum war die Schenkung seines Elternhauses an die Stadt Hörstel 1964 durch Prof. Anton Hilckman. Nun feiert das Heimathaus Bevergern in diesem Jahr sein 60jähriges Jubiläum. An die schwerste Zeit seines Lebens unter dem NS-Regime erinnert der Stolperstein vor dem Eingang des Heimatmuseums, denn Prof. Hilckman verbrachte wegen kritischer Äußerungen fünf Jahre in verschiedenen Gefängnissen und KZ-Lagern.

Anlässlich des 60jährigen Jubiläums gab es eine Sonderausstellung in der „Samenstube“. Ein Film aus der Nachkriegszeit zeigte einen Samstagmorgen, wenn die Gärtnerfamilien mit ihren Lieferwagen bepackt mit Blumen und Pflanzen zu den Märkten abfuhren. Der ein oder andere Teilnehmer kannte noch die Namen der Familienmitglieder dieser Gärtnerfamilien. Von ehemals 19 Familienbetrieben, die sich seit dem 19. Jahrhundert mit der Samenvermehrung einen guten Ruf bis Friesland und ganz Westfalen gemacht hatten und die später im Gartenbau regional Frischwaren verkauften, sind heutzutage noch zwei Betriebe geblieben.

„Kiepenkerl, du guote Gesell,
kumm herin in de Stauwe ganz schnell.
Bringst Kohlsaut, Möhren und ok Salat,
domet de Gaurn (Garten) wärd prächtig und parat.“

Die ersten Samenhändler zogen noch zu Fuß als Kiepenkerl übers Land, verkauften ihre Sämereien und hörten und erzählten viele Geschichten, wenn sie bei den Bauern auf ihrer Tour übernachteten. Durch den Samenhandel entstand in Bevergern ein gewisser Wohlstand, so dass auch Fuhrwerke und später motorisierte Fahrzeuge für die Handelsreisen eingesetzt werden konnten. Die Rodder Heimatfreunde waren nach anderthalb Stunden sehr gut informiert und dankten Heinz Levedag für seine kompetente Führung.

Zum Abschluss der Radtour wurde mit 24 Personen am alten Bahnhof in Rodde gegrillt. Es war ein gemütlicher abendlicher Ausklang mit vielen interessanten Begegnungen.

 

Text u . Foto: Friederike Eying